AC/UNU Millennium Project
Zukünftige Themen von Wissenschaft und Technik - Bedeutung für Management und Entscheider


Brief an die Befragten

Das Millennium Project des American Council for the United Nations University (Amerikanischer Rat der Universität der Vereinten Nationen) führt auf der ganzen Welt etwa 100 Interviews mit Entscheidungsträger aus Wissenschaft und Technik sowie mit den Führungskräften staatlicher Stellen, der Wirtschaft und anderer Organisationen, die für die Durchführung wissenschaftlicher Forschung und technischer Entwicklung verantwortlich sind.

Der Anlass für diese Interviews ist die Dokumentierung eines weiten Spektrums an Einschätzungen, wie die zukünftigen Themen von Wissenschaft und Forschung am besten zu handhaben seien. Die Ergebnisse werden in der 2002-Ausgabe der Publikation State of the Future veröffentlicht werden. Alle Befragten werden ein Freiexemplar erhalten. Die Ergebnisse werden auch zum Entwurf von Zukunftsszenarien genutzt und in der internationalen Wissenschafts- und Technikgemeinschaft in Umlauf gebracht werden.

Letztes Jahr nahmen 237 Wissenschaftler, Zukunftsforscher und Wirtschaftsplaner an einer zweiteiligen Befragung teil, um die zukünftigen Themen von Wissenschaft und Technik zu identifizieren und einzuschätzen. Aus diesen Antworten wurden mehrere Fragen herausgearbeitet, um deren Bearbeitung wir Sie bitten. Sie wurden entweder vom Wissenschaftsattaché Ihres Landes in Washington, D.C., oder von einem Knotenpunkt des Projekts aufgrund Ihrer Führungsaufgaben, Ihrer Verantwortung für Grundsatzentscheidungen  und Ihrer Erfahrung ausgewählt.

Ihre Antworten und die Antworten der anderen Teilnehmer an diesen Interviews werden nicht namentlich zugeschrieben, aber Sie werden in der 2002-Ausgabe von State of the Future mit Namen aufgeführt werden.

Ich werde mich mit Ihrem Büro telefonisch in Verbindung setzen, um einen Termin für das Interview zu vereinbaren, oder Sie bzw. Ihre Mitarbeiter können auch, wenn Sie dies vorziehen sollten, Ihre Ansichten schriftlich entweder an mich oder direkt an das Millennium Project schicken (Adresse: American Council for the United Nations University, 4421 Garrison Street, NW, Washington, DC 20016 USA, oder via E-Mail <jglenn@igc.org> mit einer Kopie an <acunu@irg.org>, oder per Fax an +1-202-686-5179).

Die fünf Fragen liegen diesem Brief als Anlage bei.

Mit freundlichen Grüßen,

Jerry Glenn, director
Millennium Project
American Council for the United Nations University
www.acunu.org



Anlage:
Fünf Fragen zur Bedeutung zukünftiger Themen von Wissenschaft und Technik für Management und Entscheider
 
1. Die Behandlung der von Wissenschaft und Technik ausgehenden Risiken

Da die Leistungsfähigkeit von Computern sich rascher verbessert als die der Biologie, vertreten einige Experten den Standpunkt, dass wir die Möglichkeit ernstnehmen müssen, dass in der Zukunft Roboter an die Macht kommen, dass nanotechnische, sich selbst verwaltende Maschinen alles mit einem „grauen Schleim“ überziehen, oder dass „künstliches Leben“ außerhalb menschlicher Kontrolle heranwächst. Diese und andere mögliche unbeabsichtigte (ebenso wie beabsichtigte) zukünftige Bedrohungen reichen weit über nahezu alles hinaus, mit dem wir in der Vergangenheit konfrontiert wurden. Regierungen und die globale Gemeinschaft scheinen sich unsicher zu sein, wie solche Risiken zu behandeln sind. Die Unabhängigkeit der Wissenschaft wird in Frage gestellt, während die Einbussen untersucht werden, die entweder die Freiheit der Wissenschaft oder die öffentliche Sicherheit hinzunehmen haben.

Frage: Wie können Wissenschaft und Technik so gehandhabt werden, dass unerwünschte Entwicklungen verringert werden, ohne die Freiheit wissenschaftlicher Forschung oder die marktwirtschaftlichen Anreize zu zerstören, die die technische Entwicklung vorantreiben?

Brauchen wir zum Beispiel eine globale Organisation, die technische Entwicklungen vorausschauend untersucht und nach internationalen Standards für annehmbare Risiken beurteilt? Oder gibt es bessere Mechanismen zur Kontrolle von Risiken? Welcher Managementansatz kann genutzt werden, um die Kontrollen innerhalb und zwischen wissenschaftlichen Bereichen einzurichten, die zur Vermeidung negativer Entwicklungen nötig sind?

Unter welchen Umständen sollte ein Eingriff in wissenschaftliche Forschung erlaubt sein? Werden neue Verträge, Protokolle, und/oder Gesetze notwendig sein?
 

2. Ausbau der Rolle von Wissenschaft und Technik bei der Formulierung politischer Entscheidungen

Viele politische Führer auf der ganzen Welt fällen Entscheidungen, die die Belange von Wissenschaft und Technik (im folgenden als W&T) betreffen, von denen sie wenig verstehen. Bei anderen politischen Entscheidungen wäre ein Beitrag der W&T-Community hilfreich, aber dieser ist zu oft nicht erwünscht oder wird komplett missachtet bzw. in einer Form geboten, die nicht sinnvoll ist. Die Kluft zwischen tiefgreifenden W&T-Entwicklungen, die unser aller Leben grundlegend und rasch verändern werden, und den Einschätzungen der Allgemeinheit scheint sich schnell zu vergrößern. Bei der Weiterentwicklung der Demokratie muss die politische Führung bei polischen Entscheidungsprozessen mehr auf die öffentliche Wahrnehmung eingehen. Sowohl die Öffentlichkeit als auch politische Entscheidungsträger scheinen hinter der fortschreitenden W&T-Wissensrevolution hinterher zu hinken.

Frage: Was wird die Nutzung von Informationen aus W&T bei politischen Verfahren verbessern?

Sollen zum Beispiel Manager im Bereich W&T Verantwortung dafür tragen, dass das Verständnis für ihre Arbeit sowohl bei staatlichen Behörden als auch in der Öffentlichkeit verbessert wird? Sollen sie Verantwortung dafür übernehmen, dass die Gesellschaft auf das Tempo der Veränderung vorbereitet ist, das durch die Wissenschaft erreicht wird, und falls dem so sein sollte, wie würden Sie ihre Rolle definieren?

Wie ließe sich ein Unterschied in der Rolle der Medien bei der öffentlichen Meinungsbildung erreichen? Wie könnten aus Vertretern der Medien und der Wissenschaft zusammengesetzte Nationale Wissenschaftsakademien – oder ähnliche Gruppen – effektiver werden?

Würde ein erweiterter W&T-Einfluss im Kabinett einen Unterschied machen? Wie könnten regelmäßige Briefings für Entscheidungsträger zu W&T-Themen effektiver werden?

Was soll getan werden, wenn Fachleute unterschiedliche Ansichten in Angelegenheiten vertreten, die die öffentliche Meinung beeinflussen?
 

3. Interdisziplinäres W&T-Management

Überschneidungen und Synergien zwischen wissenschaftlichen Bereichen, zum Beispiel Biotechnologie, Nanotechnologie oder Computation (Künstliche Intelligenz, Robotertechnik) werden zu Durchbrüchen führen, die tiefgreifende Folgen für die Verbesserung der menschlichen Lebensverhältnisse haben werden. Unglücklicherweise gibt es entscheidende Hindernisse bei der Durchführung interdisziplinärer Forschung, verursacht von Finanzierungskategorien, Entfernungsproblemen bei Personal und Ausrüstung, Unterschieden in Terminologie und Sprache und anderen Managementbarrieren bei W&T-Kollaborationen in unterschiedlichen Bereichen. Obwohl zahlreiche einzelne Lösungen vorgeschlagen worden sind, gab es nur wenig Untersuchungen zur richtigen Integration von W&T-Diszplinen.

Frage: Welche Managementansätze und Schwerpunkte werden den Nutzen interdisziplinärer W&T-Forschung für die Menschheit verbessern?

Wie können zum Beispiel die Hindernisse für interdisziplinäre Zusammenarbeit, interdisziplinäre Prüfungsprozesse und interdisziplinäre Finanzierung überwunden werden? Ist es effektiver, sich für große, komplexe Projekte – wie das Apollo-Mondlandungsprojekt – einzusetzen, die zu interdisziplinärer W&T anregen?

Wo sehen Sie, der Priorität nach geordnet, die dringendsten Angelegenheiten beim Managen und Ermöglichen interdisziplinärer Forschung? Und welche neuen Ansätze halten Sie für erprobenswert?
 

4. Globalisierung und W&T-Management

Die Globalisierung erzwingt eine konstante Neubewertung staatlicher und wirtschaftlicher W&T-Prioritäten, Investitionen und Verfahrensweisen bei Forschung und Entwicklung. Wann soll konkurriert werden? Wann kooperiert? Begabung, Talent und Wissen wandern sowohl physisch als auch elektronisch. Multinationale Firmenzusammenschlüsse und multilaterale staatliche Abkommen bilden sich ständig neu heraus. Die wichtigsten Probleme, die W&T lösen können, sind globaler Natur und erfordern transnationale Lösungen (Wasser, Energie, Klimaveränderung, natürliche Ressourcen, Epidemien und Seuchen, Terrorismus, und andere mögliche W&T-Kollaborationen). Die Widersprüche zwischen nationalen und globalen Investitionen und Prioritäten sind zu der üblichen Liste von nachteiligen Wechselwirkungen gekommen, wie etwa der zwischen privaten und öffentlichen Investitionen, langfristigen und kurzfristigen und grundlegenden und angewandten Ansätzen.

Frage: Wie wird sich der Charakter von F&E(Forschung und Entwicklung)-Management in einer solch dynamischen Umgebung verändern müssen?
Wie werden zum Beispiel die zunehmenden Rufe nach Transparenz, Verantwortlichkeit und der Teilnahme an Entscheidungsprozessen dazu zwingen, die Widersprüche bei W&T deutlicher zu machen? Und wenn, durch welche Mechanismen?

Wie kann der richtige Ausgleich zwischen nationalen und globalen Investitionen ständig neu bewertet werden?
 

5. Welche anderen, das W&T-Management betreffende Angelegenheiten, die in Zukunft angegangen werden müssen, haben wir nicht besprochen?
 

Jerry Glenn, director
Millennium Project
American Council for the United Nations University
www.acunu.org



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